Elf Jahre Fairtrade Stadt Lübeck

Hervorgehoben

Das muss gefeiert werden!

Mitglieder der Steuerungsgruppe Fairtrade Stadt Lübeck, Foto: Anja Doehring

Wir laden herzlich ein zum
Jubiläumsfest am Sonntag, 11. September 2022,
ab 16 Uhr im Altstadtbad Krähenteich, Lübeck
Programmankündigung folgt in Kürze.

Am 30. November 2011 wurde der Stadt Lübeck von Fairtrade Deutschland der Titel Fairtrade Stadt verliehen, nachdem innerhalb von elf Monaten alle Kriterien der Kampagne erfüllt waren.

Nachdem wir unser zehnjähriges Jubiläum aufgrund von Corona verschieben mussten, wollen wir nun unser elfjähriges Bestehen gemeinsam mit vielen Menschen, die uns auf dem Weg begleitet haben und allen Lübeckerinnen und Lübeckern feiern. Wir haben ein buntes Programm auf die Beine gestellt, das für Spaß, Spannung und gute Laune sorgen wird.

SAVE THE DATE!

Weitere Infos folgen in Kürze.

Faire Schultüte

Hervorgehoben

Zum Schulstart: Nur Bio und Faires kommt in die Schultüte!

„Weil uns die Gesundheit unserer Kinder am Herzen liegt, sollten wir auch unseren Konsum danach ausrichten. Aber auch die Gesundheit der Kinder in den Ländern des Südens muss dabei Berücksichtigung finden“, betont Roswitha Slemeyer, Mitglied der Steuerungsgruppe Fairtrade Stadt Lübeck, die sich für die Kampagne Faire Schultüte engagiert. „Noch immer arbeiten weltweit 150 Millionen Kinder in der Produktion. Ohne Schulbildung haben sie keine Chance, Armut, Hunger und Elend zu entkommen. Der Bio- und Faire Handel bietet den Eltern in den Ländern des Südens einen gerechten Preis, der es ihnen ermöglicht, ihre Kinder für eine gute Ausbildung in die Schule zu schicken. Beim Kauf von bio-fairen Produkten haben Sie die Sicherheit, dass ausbeuterische Kinderarbeit und Umweltschäden ausgeschlossen sind. Der Faire Handel garantiert die Einhaltung der Regeln der WFTO (World Fair Trade Organisation – das heißt gerechte Bezahlung, Deckung der Kosten für Lebensunterhalt und soziale Entwicklung. Inzwischen sind 80 % der fairen Produkte biologisch angebaut. Besuchen Sie zum Befüllen der Schultüten  den Weltladen, Hüxstraße 83 – 85, oder ONE Fairtrade, Königstr. 106 – 108, oder eine der Filialen von Landwege. Oder achten Sie im Supermarkt auf die Fair Trade und Bio Siegel. Im Weltladen und bei ONE Fairtrade gibt es eine reiche und schöne Auswahl von verschiedenen Produkten, die sich dafür eignen, z.B. Brotbox, Spielsachen wie Hüpfseile, Jonglierbälle, Maßbänder, Leder-Mäppchen, Geldbörsen, Spardosen, Perlen, Traumfänger … und auch Süßigkeiten wie Schokolade, Gummibärchen, Nüsse, Trockenfrüchte, Fruchtriegel. Mit unserem Einkaufszettel entscheiden wir ALLE, wie unsere Welt zukünftig aussehen wird. Setzen wir ein Zeichen für eine gerechtere und damit auch friedlichere Welt. So tragen wir zur Verbesserung der Lebens- und Arbeitsbedingungen in den Produktionsländern bei und vermindern damit Fluchtursachen.“

„Es gibt nichts Gutes, außer man tut es.“ (Erich Kästner)

Download des Handzettel und des Plakats

FAIRER HANDEL beim HanseKulturFestival 2022

Hervorgehoben

HanseKulturFestival 10.-12. Juni: Obertrave steht im Zeichen des Fairen Handels

Während des HanseKulturFestivals vom 10.6. bis 12.6. findet an der Obertrave ein FAIR+BIO+REGIONAL Markt statt. Mit leckeren Köstlichkeiten wie Quiche, Fair Trade Kaffee und Tee sowie kühlen Getränken sorgen Landwege evG und ONE Fair Trade Kaffeerösterei, Mitglieder der Steuerungsgruppe Fairtrade Stadt, für das leibliche Wohl. Das Lübecker Modelabel Green Size sowie das Modegeschäft Freistil bieten Kleidung für Groß und Klein aus öko-fairer Produktion, während der Goldene Hirsch mit Kunsthandwerk aus regionaler Produktion und das Fachgeschäft ONE Fairtrade mit international gefertigten Fair Trade Produkten dabei sein werden.
Dazu können sich Interessierte über Fairen Handel und das EU Lieferkettengesetz informieren und durch die Ausstellung „Der Weg zur Fairen Hanse“ erfahren, weshalb sich mittlerweile viele Hansestädte international auf den Weg gemacht haben, sich für Fairen Handel zu engagieren.

Kinderprogramm

Foto: Skuter, Quelle: www.piqs.de/ Some rights reserved

Während auf der großen Bühne Live Musik geboten wird, gibt es beim FAIR+BIO+REGIONAL Markt von Samstag bis Sonntag ein eigenes Programm für Kinder. Auf der kleinen Bühne und in dem Zelt daneben darf gemalt und gebastelt werden. Zu bestimmten Uhrzeiten gibt es Anleitung für die Papierfaltkunst Origami und Ilka Wäsche vom Verein Landwege zeigt Kindern, wie aus Kakaobohnen selbst Kakao hergestellt werden kann. Dieser darf anschließend natürlich auch getrunken werden.

Kleine Lieder und kleine Zaubereien für kleine (und auch gern für große) Menschen bringt das Theater am Tremser Teich am Sonntag zum Hansekulturfestival mit. Die Spielstätte für Kiddies & Co. aus der Warthestraße gastiert mit einer Mini-Lieder-Zauber-Show für Kinder am Sonntag, 12.6. auf der kleinen Bühne auf dem FAIR+BIO+REGIONAL Markt an der Obertrave. Zu erleben sind die Märchenfee „Fantasia“ mit ihrer zauberhaften Stimme und der Zauberer „Pepito“ mit wundersamen Geschichten. Beginn ist jeweils um 13.00 Uhr und um 15.30 Uhr.

Kinderprogramm mit Zeiten aller Angebote:

Welttag gegen Kinderarbeit!

Am Samstag, 11.6. weisen Mitglieder von Fairtrade Stadt Lübeck gemeinsam mit Simone Ludewig, vom Bündnis Eine Welt SH mit besonderen Aktionen darauf hin, dass weltweit 79 Millionen Kinder durch schwere und gefährliche Arbeit ausgebeutet werden. Auch deutsche Unternehmen tragen Verantwortung, den Schutz von Kindern vor wirtschaftlicher Ausbeutung zu achten. Das geplante EU-Lieferkettengesetz soll Unternehmen verpflichten, in ihren Lieferketten Sorgfaltspflichten einzuhalten und so nicht länger zu derartigen Menschenrechtsverstößen beizutragen. Am Stand von Fairtrade Stadt Lübeck kann an allen drei Tagen des Festivals eine Petition für ein wirksames Lieferkettengesetz auf EU Ebene unterzeichnet werden. Am Samstag, 11.6. informiert Simone Ludewig, Projekt Wirtschaft und Menschenrechte in SH, um 17:30 Uhr mit einem Kurzvortrag auf der kleinen Bühne über weltweite Kinderarbeit und was ein EU-Lieferkettengesetz bewirken kann.

Beim Infostand Fairtrade Stadt Lübeck kann die Petition für ein starkes EU-Lieferkettengesetz unterzeichnet werden. Hier geht’s auch online: https://lieferkettengesetz.de/mitmachen/

Weitere Informationen zur Kampagne YES EU CAN siehe: https://lieferkettengesetz.de/

#FairSprechen zur Landtagswahl

Hervorgehoben

Welche Kandidatin oder welcher Kandidat will sich für eine sozial und ökologisch nachhaltige Beschaffung einsetzen und will das #FairSprechen22 unterzeichnen? Dies möchte die Steuerungsgruppe der Fairtrade-Stadt-Lübeck und das Bündnis Eine Welt SH e.V. zur Landtagswahl wissen. Lübecker Kandidat*innen sind von der Steuerungsgruppe angeschrieben worden, mit der Bitte, sich an der Aktion zu beteiligen. Auf der GO.GRØØN – Messe für Nachhaltiges & Faires – wird am Sonntag berichtet, wer sich dem #FairSprechen22 schon angeschlossen hat.

Die öffentliche Beschaffung hat eine Marktmacht und eine besondere Verantwortung, denn das Land und die Kommunen kaufen jährlich in Milliardenhöhe ein. Steuergelder können so auch faire Produkte fördern und es kann durch die Änderung des Landesvergabegesetzes ein verbindlicher Rahmen geschaffen werden. Mit einem neuen Vergabegesetz kann das Land die Wettbewerbsgleichheit verbessern für Anbieter*innen, die nachweislich ihre Sorgfaltspflicht für Menschen- und Arbeitnehmer*innenrechte, Umwelt und Klima erfüllen.

Mit dem #FairSprechen22 soll ein gemeinsames Zeichen gesetzt werden für „Gute Arbeit, Schutz der Menschenrechte, des Klimas und der Umwelt weltweit!“ Die Fairtrade-Initiative ist überzeugt davon, dass die öffentliche Beschaffung bei der fairen Vergabe eine Vorbildfunktion zu erfüllen hat.

Weitere Informationen zu der Aktion finden Sie unter https://www.bei-sh.org/fairsprechen22

Weiterlesen

Osterhasen im Streik

Hervorgehoben

Langohren protestieren für existenzsichernde Kakaopreise und faire Schokolade!

Protest der Osterhasen 2019

Einladung zur Protestaktion in der Breiten Straße in Lübeck am Freitag, 1. April und Samstag, 2. April von 11:00 – 14:00 Uhr vor dem Lübecker Rathaus.

Der Verkauf von Osterschokolade ist ein riesiges Geschäft. Doch während die Schokoladenunternehmen zu Ostern den größten Umsatz machen, lebt die Mehrheit der Kakaobäuerinnen und -bauern in Westafrika immer noch unterhalb der Armutsgrenze. Denn der Preis, den sie für ihren Kakao erhalten, ist viel zu niedrig. Die Osterhasen haben dieses Preisdumping satt! Deshalb treten sie am 1. und 2. April 2022 von 11 bis 14 Uhr in der Breiten Straße vor dem Lübecker Rathaus in den Streik und weigern sich, weiterhin unfaire Schokolade in die Osternester zu legen. Zusammen mit Osterhasen in über 20 deutschen Städten fordern sie die großen Schokoladenunternehmen auf, endlich faire Kakaopreise zu zahlen.

Im Rahmen der diesjährigen Osteraktion unter dem Motto „Dumpingpreise stoppen! Faire Kakaopreise jetzt!“ fordert das entwicklungspolitische INKOTA-netzwerk zusammen mit Aktionsgruppen in ganz Deutschland die Schokoladenindustrie zur Zahlung fairer Kakaopreise auf. Berechnungen, wie hoch ein fairer Kakaopreis ist, gibt es bereits. Laut Zertifizierungsorganisation Fairtrade, muss der Kakaopreis ab Hof in Ghana bei 2.100,00 US-Dollar, und in der Elfenbeinküste bei 2.200,00 US-Dollar pro Tonne Kakao liegen, damit die Bäuerinnen und Bauern ein existenzsicherndes Einkommen erreichen können. Derzeit erhalten die Kakaobauern und -bäuerinnen einen staatlich garantierten Preis in Höhe von nur 1.736,00 US-Dollar in Ghana bzw. 1.457,00 US-Dollar in der Elfenbeinküste.

„Schokoladenunternehmen versprechen seit Jahrzehnten, Armut und Kinderarbeit im Kakaoanbau zu beenden. Armut ist die Hauptursache von Kinderarbeit: Gut 1,5 Millionen Kinder verrichten noch immer verbotene Tätigkeiten auf Kakaoplantagen allein in den Hauptanbauländern Elfenbeinküste und Ghana. Dass immer noch so viele Kinder bei der Ernte helfen müssen, hängt mit den niedrigen Kakaopreisen zusammen. Denn ihre Eltern können von den niedrigen Einkommen nicht leben und auch noch Schulgeld zahlen“, erklärt Katja Mentz von der Steuerungsgruppe Fairtrade-Stadt Lübeck. „Die Unternehmen tragen hierfür Verantwortung. Es ist höchste Zeit, dass sie faire Kakaopreise zahlen, die den Bäuerinnen und Bauern in Westafrika ein menschenwürdiges Leben ermöglichen!“

Mit dieser Aktion möchte die Steuerungsgruppe Fairtrade-Stadt Lübeck zur Aufklärung der Konsument*innen über die unfairen Geschäftspraktiken im Schokoladensektor beitragen und Alternativen für einen fairen Handel aufzeigen. Als Osterhasen verkleidet verteilen sie Infomaterial an die Verbraucher*innen. Die Hasen laden dazu ein, mit einer Postkarte beim Lieblings-Schokoladenunternehmen nachzufragen, ob dieses den Kakaoproduzent*innen einen existenzsichernden Kakaopreis zahlt.

Mit dem Stadtplan für nachhaltigen Konsum, den die Steuerungsgruppe Fairtrade-Stadt Lübeck e.V. erstellt hat, ist es einfach, herauszufinden, wo Schokolade aus nachhaltiger Produktion in Lübeck gekauft werden kann. Er kann über den folgenden Link heruntergeladen werden:  

http://www.fairtrade-stadt-luebeck.de/wp-content/uploads/2021/09/FAIR-BIO-REGIONAL-Stadtplan-2021.pdf

 Der Verkauf von Schokolade ist für Unternehmen wie Lindt, Ferrero, Nestlé, Storck und Co. ein riesen Geschäft: Rund 130 Milliarden US-Dollar Nettoumsatz macht die globale Schokoladenindustrie im Jahr. Doch von 1 Euro, der für eine Tafel Schokolade bei uns bezahlt wird, erhalten die Kakaobäuerinnen und -bauern in den beiden Hauptanbauländern Ghana und Elfenbeinküste gerade einmal 6 bis 7 Cent.

Interessierte Verbraucher*innen können die Aktion ab dem 29.03.2022 auch per digitaler Postkarte auf der Kampagnen-Webseite unter de.makechocolatefair.org unterstützen.

Weitere Informationen

Infomaterial und Grafiken zum Thema Kakaopreise auf der Make Chocolate Fair!-Webseite

Runter vom Holzweg!

Hervorgehoben

Der Text basiert auf der Veranstaltung „Lieferketten auf dem Holzweg?! Helfen Sorgfaltspflichten gegen die globale Entwaldung?“, die am 1. Dezember 2021 gemeinsam vom Projekt Wirtschaft und Menschenrechte in Schleswig-Holstein und Fairtrade Stadt Lübeck e.V. organisiert und digital durchgeführt wurde.

Text: Simone Ludewig

Der Wald muss dringend wieder als Ökosystem und nicht länger als Rohstoffreserve betrachteten werden, fordern Forstwirt Lutz Fähser und Umweltwissenschaftler*in Evelyn Schönheit. (Bild: unsplash)

Wie kommen wir zu entwaldungsfreien Lieferketten?

Die globalen Waldbestände und damit auch die Artenvielfalt sowie Menschenrechte sind akut gefährdet. Mit der weltweit fortschreitenden Abholzung riesiger Waldflächen droht das Klimasystem unwiderruflich zu kippen. Unterschiedliche Perspektiven blicken auf den Zusammenhang zwischen globalen Lieferketten und dem Verschwinden der Wälder.

Der Forstwirt: Mit dem Wald überleben

Dr. Lutz Fähser, Forstwirt und ehemaliger Forstdirektor, ist international anerkannter Fachmann für naturnahe Waldbewirtschaftung und sieht eine globale Verantwortung der Entwaldung ein schnelles Ende zu bereiten. Zentraler Grund für die fortschreitende Entwaldung bzw. Degradierung der globalen Waldbestände ist der marktwirtschaftliche Sog nach Holz und Rohstoffen aus den reichen Industrieländern. Wälder müssen aber dringend wieder als Ökosysteme statt als Rohstoffreserve begriffen werden.

13 Mio Hektar Wald gehen jährlich verloren. Treiber: der Konsum von Risikogütern. (Bild: ADP Partner, CC 3.0)

Bereits 1992 entstanden auf der bisher größten Umweltkonferenz der Vereinten Nationen in Rio de Janeiro die Konventionen zu Klima, Biodiversität und Wüsten. Fast alle Staaten verpflichteten sich mit dieser zu einer „Nachhaltigen Entwicklung“ (Sustainable Development). „Nachhaltig“ wäre es, die Grenzen der natürlichen Leistungsfähigkeit von Wäldern zu respektieren, denn diese definieren die Nutzungsmöglichkeiten. Eine verantwortungsvolle Nutzung auch in globalen Lieferketten muss deshalb zwingend überlebensorientiertes Verhalten bedeuten. Das Wirtschaften muss sich dafür in den Naturhaushalt einfügen und die Menschheit sich ethisch als Teil der Natur empfinden.

Ein Beispiel hierfür ist der 5.000 Hektar große Stadtwald von Lübeck. Er wird seit 1994 behutsam zu mehr Naturnähe entwickelt und mit einem Minimum an Störungen bewirtschaftet. Dafür wurde der Wald vom Bundesumweltministerium als Referenzmodell für eine „Nachhaltige Entwicklung“ im Sinne der Rio-Konferenz von 1992 ausgezeichnet.

Die großen globalen Waldtypen sind durch die verschiedenen Klimazonen unterschiedlich geprägt und unterschiedlich empfindlich gegenüber ihrer Nutzung. Es gibt boreale, temperate, trockene und feucht-tropische Wälder von derzeit jeweils ca. 800 Mio. Hektar Verbreitung. Damit besteht nur noch die Hälfte der ursprünglichen Waldfläche der Erde. Jährlich verschwindet weltweit weiter etwa die ein- bis zweifache Fläche des deutschen Waldes und es entstehen mehr als zehn Mio. Hektar Wüsten. Viele Länder besitzen nur noch eine Waldbedeckung von unter fünf Prozent, so z.B. Äthiopien, Pakistan und Madagaskar. In Deutschland bleibt die bewaldete Fläche von 33 Prozent im Moment stabil, deren Vitalität und Überlebensfähigkeit sinkt allerdings durch unökologische Forstwirtschaft und Effekte des Klimawandels.

„Wälder müssen dringend wieder als Ökosysteme statt als Rohstoffreserve begriffen werden.“ Lutz Fähser, Forstwirt

Delara Burkhard hat den Initiativbericht für entwaldungsfreie Lieferketten des Europäischen Parlaments verfasst (Bild: European Union 2021: EP)

Das Europäische Parlament: Die EU muss handeln

Delara Burkhardt, Europaabgeordnete der SPD aus Schleswig-Holstein, hat den Initiativbericht des Europäischen Parlaments für entwaldungsfreie Lieferketten vorbereitet. Hintergrund dafür war, dass allein der EU-Konsum zum jährlichen Verlust von 13 Mio. Hektar Wald mit 16 Prozent beiträgt.

Hierbei spielt nicht nur der Verbrauch von Holz z. B. als Baustoff, sondern insbesondere, der Konsum von Risikogütern eine entscheidende Rolle. Güter wie z.B. Soja, Fleisch, Palmöl oder Kakao gefährden natürliche Wälder, weil sie große Flächen beanspruchen.

Mit einer neuen Verordnung will die EU hier nun Abhilfe schaffen, damit die Lieferketten nach Europa entwaldungsfrei werden.  Am 17. November 2021 hat die EU-Kommission hierfür einen Vorschlag gemacht. Im Vergleich mit dem Initiativbericht des Parlaments klaffen in diesem jedoch noch gravierende Regelungslücken:

  • Die Liste der erfassten Risikowaren schließt wichtige Produkte wie Kautschuk und Mais nicht ein.
  • Bei den erfassten Unternehmen fehlen kleine und mittelständische Unternehmen und der komplette Finanzsektor, der jedoch eine erhebliche Hebelwirkung hätte.
  • Hinsichtlich der geschützten Ökosysteme beschränkt sich der Vorschlag auf Wälder und trägt damit nicht zum Schutz wichtiger Ökosysteme wie der brasilianischen Cerrado-Savanne bei.
  • Außerdem werden Menschenrechte nicht von dem Vorschlag umfasst.

Der offensichtliche Zusammenhang zwischen dem Schutz der Rechte von Indigenen Völkern und ihren Lebensräumen wird dabei ignoriert. Menschenrechtsschutz ist Waldschutz und umgekehrt.

Die Konsument*innen: Waldschutz muss Handlungsmaxime werden

So sieht es auch Umweltwissenschaftlerin Evelyn Schönheit, die sich seit langem im Forum Ökologie & Papier für einen ressourcenschonenden Umgang mit dem Produkt Papier zum Schutz der Wälder, der Arten, des Klimas und für bessere Lebensbedingungen vieler Menschen vor allem im Globalen Süden engagiert. Sie und das Forum wollen Verbraucher*innen, Politik und Wirtschaft durch gezielte Informationsarbeit über die Folgen des Papierverbrauchs aufklären. Wichtig hierbei ist es, diese Informationen in Handeln zu übersetzen. Mit anderen Worten: „Es gibt nichts Gutes, außer man tut es“, so Evelyn Schönheit.

Die Papierindustrie könnte durch mehr Recycling ihren Frischfaserbedarf und dessen negative Folgen deutlich reduzieren. Strengere Regeln, wie sie nun von EU vorbereitet werden, sind hierfür ein wichtiger Schritt.

Mehr als zwanzigmal kann eine Papierfaser recycled werden, wenn die Frischfaser ihren Lebenszyklus nicht schon bei der ersten Nutzung als Hygienepapier beendet.

An die Verbraucher*innen appelliert Evelyn Schönheit, Papier zu sparen, wo immer es geht. Helfen würde auch schon mehr Akzeptanz von weniger weißen Papieren, die aus recycelten Verpackungsmaterialien gewonnen werden. Das gilt insbesondere für Hygienepapiere wie Toilettenpapiere und Taschentücher, denn diese werden dem Papierkreislauf nach der Verwendung nicht wieder zum Recycling zur Verfügung stehen.

Obwohl es zahlreiche recycelte Alternativen gibt, ist die Nachfrage nach Frischfasern beim (Hygiene-) Papier weiterhin groß. Rund 40 Prozent der industrielen Holzernte gehen aktuell in die Papierproduktion. Deutschland liegt beim Papierverbrauch auf den vorderen Plätzen – in absoluten Zahlen sowie pro Kopf – und trägt damit erheblich zu sozialen und ökologischen Problemen wie Endwaldung und Landnutzungsänderungen bei. Beim nachhaltigen Konsum steht neben der Sparsamkeit deshalb auch die Frage nach sozial und ökologisch verantwortungsvoll produzierten Alternativen im Mittelpunkt.

„Deutschland liegt beim Papierverbrauch auf den vorderen Plätzen.“ Evelyn Schönheit vom Forum Ökologie und Papier

Die Wirtschaft: Unternehmen wandeln sich

Die Bambuspapiere von Smoothpanda sind Holzfrei und neben Recyclingpapier eine weitere Alternative zur Frischfaser. (Bild: Smooth Panda.)

Die Improving Earth GmbH aus Reinfeld in Schleswig-Holstein macht Verbraucher*innen, die auf Frischfaser im Hygienebereich absolut nicht verzichten wollen, mit Smooth Panda ein solches Angebot. Karsten Lutz ist Gründer und Geschäftsführer des Start-ups, das Toiletten- und andere Hygienepapiere aus Bambusfasern herstellt. Sein Ziel heißt: „Feeling without Wood“. Mit einem Geschäftsmodell, das soziale und ökologische Verantwortung an den Anfang stellt, will sein Start-up mit gutem Beispiel vorangehen und auch „die Großen“ in der Branche herausfordern.

Ein wichtiger Hebel hierbei ist das sorgfältige Sourcing (Beschaffung) von Rohstoffen. Hierfür die richtigen und vertrauenswürdige Partner*innen zu finden, war und bleibt eine Herausforderung. Auf eilige Zusagen von Sozial- und Umweltstandards seiner chinesischen Zulieferer*innen allein will Karsten Lutz sich dabei nicht verlassen. Improving Earth investiert Mühe, um seine Lieferketten zu durchleuchten. Wichtig ist hierbei auch eine offene Kultur im Unternehmen, die es zulässt Probleme und Bedenken auszusprechen. Gerne würde Karsten Lutz die Rohstoffproduktion näher an den Firmensitz in Reinfeld verlegen, um noch mehr Kontrolle über die Produktionsbedingungen zu haben. Die Vision eines ökologischen, möglicherweise auch europäischen Bambusanbaus ist momentan jedoch noch Zukunftsmusik. Vorerst geben auch Zertifikate und Audits dem Unternehmer und seinen Kund*innen Vertrauen in die Rohstoffproduktion.

Auch Karsten Lutz setzt Hoffnung in neue verbindliche Regeln für Lieferketten. Bereits mit dem jüngst beschlossenen deutschen Lieferkettengesetz besteht für Improving Earth die Chance, zusätzliche Kontrolle über die Einhaltung von Menschenrechten zu gewinnen. Sollte eine staatliche Aufsicht über die großen Konzerne und Abnehmer*innen wirklich gelingen, würde das die Wettbewerbsgleichheit auch für kleine Unternehmen und Vorreiter*innen wie Improving Earth verbessern. Alle müssten sich dann an Regeln ethischen Handelns halten.

Der Text basiert auf der Veranstaltung „Lieferketten auf dem Holzweg?! Helfen Sorgfaltspflichten gegen die globale Entwaldung?“ die am 1. Dezember 2021 gemeinsam vom Projekt Wirtschaft und Menschenrechte in Schleswig-Holstein und der Fairtrade Stadt Lübeck ausgerichtet wurde.

Quelle: https://zukunft.global/inhalt/runter-vom-holzweg.html

Nachhaltig schenken – leicht gemacht!

Hervorgehoben

Die Steuerungsgruppe „Fairtrade-Stadt Lübeck“ hat ihren Stadtplan für nachhaltigen Konsum neu aufgelegt. Mit ihm kann man sich rasch informieren, wo faire, biologische und regionale Geschenke zu finden sind, die den Anforderungen hinsichtlich einer Nachhaltigkeit gerecht werden. Der Stadtplan bietet auch Informationen über die Hintergründe des Fairen Handels und die damit verbundenen wichtigsten Siegel.

Wenn wir konsequent nachhaltig gesiegelte Produkte bevorzugen – und das nicht nur zur Weihnachtszeit – dann können wir sicher sein, dass ökologische und soziale Standards in der Lieferkette erfüllt und damit beispielsweise ausbeuterische Kinderarbeit ausgeschlossen werden. Denken wir beim Weihnachtseinkauf auch daran, dass sich durch die Corona-Pandemie soziale Ungleichheit, Armut und Hunger in den Ländern des Südens noch zusätzlich verschärft haben.

Gute Lebens- und Arbeitsbedingungen sind für alle Menschen möglich, für die Erzeuger und für uns als Verbraucher, indem wir FAIR.BIO.REGIONAL einkaufen. TUN WIR`S!

Dom Helder Camara, der frühere brasilianische Erzbischof, sagte einmal: „Wenn ihr gerechte Preise bezahlt, dann könnt ihr eure Almosen behalten.

Der Stadtplan ist in gedruckter Form u.a. an den folgenden Orten ausgelegt: Lübecker Rathaus, VHS, Verbraucherzentrale, MUK, LTM, Musikhochschule, Weltladen, ONE-Fairtrade-Shop, Landwege, Koki, Café Marlistro, Die Gemeinnützige, Café Camino, Buchhandlung Makulatur, Ev. Frauenwerk, Haus der Kulturen, Bücherpiraten, Werkhof

und hier als Download: FAIR BIO REGIONAL Stadtplan 2021

FAIRER AUFBRUCH mit der neuen Bundesregierung

Hervorgehoben

Fairer Aufbruch mit der neuen Bundesregierung

Foto: Fairtrade Deutschland e.V.

Bundesweit beteiligen sich Fairtrade Städte an der Kampagne „Fairer Aufbruch“ zur Bundestagswahl, eine Initiative vom Forum Fairer Handel, Weltladendachverband und Fairtrade Deutschland. Es sollen möglichst viele Politiker*innen im Vorfeld der Wahl als Unterstützer*innen für den fairen Handel gewonnen werden.

Die Steuerungsgruppe Fairtrade Stadt Lübeck beteiligt sich an der Aktion und schrieb an lokale Kandidatinnen und -kandidaten, mit der Bitte das „Fairsprechen“ zu unterzeichnen, sich im Bundestag für mehr Fairen Handel auf der politischen Agenda einzusetzen oder zu begründen, warum sie die folgenden Aussagen und Ziele nicht teilen.

„Fairsprechen

Es braucht mehr Fairness im Welthandel. Die Wirtschaft muss ökologischer, nachhaltiger und sozial gerechter werden. Die Prinzipien des Fairen Handels können dafür als Richtschnur dienen. Um diese in der Breite umzusetzen, braucht es strukturelle Veränderungen:

  • Existenzsichernde Löhne und Einkommen weltweit fördern
  • Menschenrechtliche Sorgfalt für Unternehmen verbindlich durchsetzen
  • Handelspolitik fair gestalten
  • Globale Klimagerechtigkeit herstellen
  • Soziale und ökologische Kriterien bei öffentlicher Beschaffung verankern“

„Wir haben mittlerweile Antwort von mehreren Direktkandidat*innen erhalten“, so Horst Hesse. „Die Kandidaten der Freien Wähler, Bündnis 90/GRÜNE, DKP, Volt, Die LINKE und SPD haben das Fairsprechen unterzeichnet.

Von den Kandidatinnen der CDU und FDP sowie weiteren Bewerber*innen erhielten wir keine Rückmeldung.“

Weitere Informationen zu der Kampagne: Zusammen stark: Fairtrade-Städte unterstützen fairen Aufbruch: Fairtrade Deutschland (fairtrade-deutschland.de)

Fairsprechen_PDF

Alles Mango! Einladung zum Fairen Frühstück

Hervorgehoben

Vom 10. bis 24. September 2021 findet bundesweit die 20. FAIRE WOCHE statt.
Das diesjährige Motto lautet „ZUKUNFT FAIR GESTALTEN“

Das Hotel an der Marienkirche, Akteur der Steuerungsgruppe Fairtrade Stadt, lädt herzlich ein zum fairen Frühstück: Alles Mango!

Termine: Sonntag, 12.09.2021; Samstag, 18.09.2021; Sonntag,  26.09.2021

Von 11:00-13:30 gibt es jeweils ein Faires Frühstück mit dem Schwerpunkt Mango.
Mangolassi, frische Mango, süße und pikante Mangomuffin, Quiche, Mangomousse u.a. erweitern das übliche, umfangreiche Faire Frühstück.

Das Frühstück kostet 15€ incl. aller Getränke.
Der Erlös wird wie jedes Jahr an ein Fairhandelsprojekt gespendet.
Die Infobroschüre „Mangos für Kinderrechte“ liegt aus und wir informieren über Fairen Handel und fair gehandelte Mangos.

Entsprechend den Pandemiebedingungen gilt die 3G-Regel.
Nichtgeimpfte müssen einen negativen Test vorlegen, der nicht älter als 48 Stunden ist.
Im öffentlichen Bereich des Hotels muss eine Maske getragen werden.

Wir bitten um Anmeldung: 0451-799410

Weitere Veranstaltungen zur FAIREN WOCHE finden Sie hier:
Kalender der Fairen Woche 2021 | Kalender | Faire Woche (faire-woche.de)