#FairSprechen zur Landtagswahl

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Welche Kandidatin oder welcher Kandidat will sich für eine sozial und ökologisch nachhaltige Beschaffung einsetzen und will das #FairSprechen22 unterzeichnen? Dies möchte die Steuerungsgruppe der Fairtrade-Stadt-Lübeck und das Bündnis Eine Welt SH e.V. zur Landtagswahl wissen. Lübecker Kandidat*innen sind von der Steuerungsgruppe angeschrieben worden, mit der Bitte, sich an der Aktion zu beteiligen. Auf der GO.GRØØN – Messe für Nachhaltiges & Faires – wird am Sonntag berichtet, wer sich dem #FairSprechen22 schon angeschlossen hat.

Die öffentliche Beschaffung hat eine Marktmacht und eine besondere Verantwortung, denn das Land und die Kommunen kaufen jährlich in Milliardenhöhe ein. Steuergelder können so auch faire Produkte fördern und es kann durch die Änderung des Landesvergabegesetzes ein verbindlicher Rahmen geschaffen werden. Mit einem neuen Vergabegesetz kann das Land die Wettbewerbsgleichheit verbessern für Anbieter*innen, die nachweislich ihre Sorgfaltspflicht für Menschen- und Arbeitnehmer*innenrechte, Umwelt und Klima erfüllen.

Mit dem #FairSprechen22 soll ein gemeinsames Zeichen gesetzt werden für „Gute Arbeit, Schutz der Menschenrechte, des Klimas und der Umwelt weltweit!“ Die Fairtrade-Initiative ist überzeugt davon, dass die öffentliche Beschaffung bei der fairen Vergabe eine Vorbildfunktion zu erfüllen hat.

Weitere Informationen zu der Aktion finden Sie unter https://www.bei-sh.org/fairsprechen22

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Osterhasen im Streik

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Langohren protestieren für existenzsichernde Kakaopreise und faire Schokolade!

Protest der Osterhasen 2019

Einladung zur Protestaktion in der Breiten Straße in Lübeck am Freitag, 1. April und Samstag, 2. April von 11:00 – 14:00 Uhr vor dem Lübecker Rathaus.

Der Verkauf von Osterschokolade ist ein riesiges Geschäft. Doch während die Schokoladenunternehmen zu Ostern den größten Umsatz machen, lebt die Mehrheit der Kakaobäuerinnen und -bauern in Westafrika immer noch unterhalb der Armutsgrenze. Denn der Preis, den sie für ihren Kakao erhalten, ist viel zu niedrig. Die Osterhasen haben dieses Preisdumping satt! Deshalb treten sie am 1. und 2. April 2022 von 11 bis 14 Uhr in der Breiten Straße vor dem Lübecker Rathaus in den Streik und weigern sich, weiterhin unfaire Schokolade in die Osternester zu legen. Zusammen mit Osterhasen in über 20 deutschen Städten fordern sie die großen Schokoladenunternehmen auf, endlich faire Kakaopreise zu zahlen.

Im Rahmen der diesjährigen Osteraktion unter dem Motto „Dumpingpreise stoppen! Faire Kakaopreise jetzt!“ fordert das entwicklungspolitische INKOTA-netzwerk zusammen mit Aktionsgruppen in ganz Deutschland die Schokoladenindustrie zur Zahlung fairer Kakaopreise auf. Berechnungen, wie hoch ein fairer Kakaopreis ist, gibt es bereits. Laut Zertifizierungsorganisation Fairtrade, muss der Kakaopreis ab Hof in Ghana bei 2.100,00 US-Dollar, und in der Elfenbeinküste bei 2.200,00 US-Dollar pro Tonne Kakao liegen, damit die Bäuerinnen und Bauern ein existenzsicherndes Einkommen erreichen können. Derzeit erhalten die Kakaobauern und -bäuerinnen einen staatlich garantierten Preis in Höhe von nur 1.736,00 US-Dollar in Ghana bzw. 1.457,00 US-Dollar in der Elfenbeinküste.

„Schokoladenunternehmen versprechen seit Jahrzehnten, Armut und Kinderarbeit im Kakaoanbau zu beenden. Armut ist die Hauptursache von Kinderarbeit: Gut 1,5 Millionen Kinder verrichten noch immer verbotene Tätigkeiten auf Kakaoplantagen allein in den Hauptanbauländern Elfenbeinküste und Ghana. Dass immer noch so viele Kinder bei der Ernte helfen müssen, hängt mit den niedrigen Kakaopreisen zusammen. Denn ihre Eltern können von den niedrigen Einkommen nicht leben und auch noch Schulgeld zahlen“, erklärt Katja Mentz von der Steuerungsgruppe Fairtrade-Stadt Lübeck. „Die Unternehmen tragen hierfür Verantwortung. Es ist höchste Zeit, dass sie faire Kakaopreise zahlen, die den Bäuerinnen und Bauern in Westafrika ein menschenwürdiges Leben ermöglichen!“

Mit dieser Aktion möchte die Steuerungsgruppe Fairtrade-Stadt Lübeck zur Aufklärung der Konsument*innen über die unfairen Geschäftspraktiken im Schokoladensektor beitragen und Alternativen für einen fairen Handel aufzeigen. Als Osterhasen verkleidet verteilen sie Infomaterial an die Verbraucher*innen. Die Hasen laden dazu ein, mit einer Postkarte beim Lieblings-Schokoladenunternehmen nachzufragen, ob dieses den Kakaoproduzent*innen einen existenzsichernden Kakaopreis zahlt.

Mit dem Stadtplan für nachhaltigen Konsum, den die Steuerungsgruppe Fairtrade-Stadt Lübeck e.V. erstellt hat, ist es einfach, herauszufinden, wo Schokolade aus nachhaltiger Produktion in Lübeck gekauft werden kann. Er kann über den folgenden Link heruntergeladen werden:  

http://www.fairtrade-stadt-luebeck.de/wp-content/uploads/2021/09/FAIR-BIO-REGIONAL-Stadtplan-2021.pdf

 Der Verkauf von Schokolade ist für Unternehmen wie Lindt, Ferrero, Nestlé, Storck und Co. ein riesen Geschäft: Rund 130 Milliarden US-Dollar Nettoumsatz macht die globale Schokoladenindustrie im Jahr. Doch von 1 Euro, der für eine Tafel Schokolade bei uns bezahlt wird, erhalten die Kakaobäuerinnen und -bauern in den beiden Hauptanbauländern Ghana und Elfenbeinküste gerade einmal 6 bis 7 Cent.

Interessierte Verbraucher*innen können die Aktion ab dem 29.03.2022 auch per digitaler Postkarte auf der Kampagnen-Webseite unter de.makechocolatefair.org unterstützen.

Weitere Informationen

Infomaterial und Grafiken zum Thema Kakaopreise auf der Make Chocolate Fair!-Webseite

Runter vom Holzweg!

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Der Text basiert auf der Veranstaltung „Lieferketten auf dem Holzweg?! Helfen Sorgfaltspflichten gegen die globale Entwaldung?“, die am 1. Dezember 2021 gemeinsam vom Projekt Wirtschaft und Menschenrechte in Schleswig-Holstein und Fairtrade Stadt Lübeck e.V. organisiert und digital durchgeführt wurde.

Text: Simone Ludewig

Der Wald muss dringend wieder als Ökosystem und nicht länger als Rohstoffreserve betrachteten werden, fordern Forstwirt Lutz Fähser und Umweltwissenschaftler*in Evelyn Schönheit. (Bild: unsplash)

Wie kommen wir zu entwaldungsfreien Lieferketten?

Die globalen Waldbestände und damit auch die Artenvielfalt sowie Menschenrechte sind akut gefährdet. Mit der weltweit fortschreitenden Abholzung riesiger Waldflächen droht das Klimasystem unwiderruflich zu kippen. Unterschiedliche Perspektiven blicken auf den Zusammenhang zwischen globalen Lieferketten und dem Verschwinden der Wälder.

Der Forstwirt: Mit dem Wald überleben

Dr. Lutz Fähser, Forstwirt und ehemaliger Forstdirektor, ist international anerkannter Fachmann für naturnahe Waldbewirtschaftung und sieht eine globale Verantwortung der Entwaldung ein schnelles Ende zu bereiten. Zentraler Grund für die fortschreitende Entwaldung bzw. Degradierung der globalen Waldbestände ist der marktwirtschaftliche Sog nach Holz und Rohstoffen aus den reichen Industrieländern. Wälder müssen aber dringend wieder als Ökosysteme statt als Rohstoffreserve begriffen werden.

13 Mio Hektar Wald gehen jährlich verloren. Treiber: der Konsum von Risikogütern. (Bild: ADP Partner, CC 3.0)

Bereits 1992 entstanden auf der bisher größten Umweltkonferenz der Vereinten Nationen in Rio de Janeiro die Konventionen zu Klima, Biodiversität und Wüsten. Fast alle Staaten verpflichteten sich mit dieser zu einer „Nachhaltigen Entwicklung“ (Sustainable Development). „Nachhaltig“ wäre es, die Grenzen der natürlichen Leistungsfähigkeit von Wäldern zu respektieren, denn diese definieren die Nutzungsmöglichkeiten. Eine verantwortungsvolle Nutzung auch in globalen Lieferketten muss deshalb zwingend überlebensorientiertes Verhalten bedeuten. Das Wirtschaften muss sich dafür in den Naturhaushalt einfügen und die Menschheit sich ethisch als Teil der Natur empfinden.

Ein Beispiel hierfür ist der 5.000 Hektar große Stadtwald von Lübeck. Er wird seit 1994 behutsam zu mehr Naturnähe entwickelt und mit einem Minimum an Störungen bewirtschaftet. Dafür wurde der Wald vom Bundesumweltministerium als Referenzmodell für eine „Nachhaltige Entwicklung“ im Sinne der Rio-Konferenz von 1992 ausgezeichnet.

Die großen globalen Waldtypen sind durch die verschiedenen Klimazonen unterschiedlich geprägt und unterschiedlich empfindlich gegenüber ihrer Nutzung. Es gibt boreale, temperate, trockene und feucht-tropische Wälder von derzeit jeweils ca. 800 Mio. Hektar Verbreitung. Damit besteht nur noch die Hälfte der ursprünglichen Waldfläche der Erde. Jährlich verschwindet weltweit weiter etwa die ein- bis zweifache Fläche des deutschen Waldes und es entstehen mehr als zehn Mio. Hektar Wüsten. Viele Länder besitzen nur noch eine Waldbedeckung von unter fünf Prozent, so z.B. Äthiopien, Pakistan und Madagaskar. In Deutschland bleibt die bewaldete Fläche von 33 Prozent im Moment stabil, deren Vitalität und Überlebensfähigkeit sinkt allerdings durch unökologische Forstwirtschaft und Effekte des Klimawandels.

„Wälder müssen dringend wieder als Ökosysteme statt als Rohstoffreserve begriffen werden.“ Lutz Fähser, Forstwirt

Delara Burkhard hat den Initiativbericht für entwaldungsfreie Lieferketten des Europäischen Parlaments verfasst (Bild: European Union 2021: EP)

Das Europäische Parlament: Die EU muss handeln

Delara Burkhardt, Europaabgeordnete der SPD aus Schleswig-Holstein, hat den Initiativbericht des Europäischen Parlaments für entwaldungsfreie Lieferketten vorbereitet. Hintergrund dafür war, dass allein der EU-Konsum zum jährlichen Verlust von 13 Mio. Hektar Wald mit 16 Prozent beiträgt.

Hierbei spielt nicht nur der Verbrauch von Holz z. B. als Baustoff, sondern insbesondere, der Konsum von Risikogütern eine entscheidende Rolle. Güter wie z.B. Soja, Fleisch, Palmöl oder Kakao gefährden natürliche Wälder, weil sie große Flächen beanspruchen.

Mit einer neuen Verordnung will die EU hier nun Abhilfe schaffen, damit die Lieferketten nach Europa entwaldungsfrei werden.  Am 17. November 2021 hat die EU-Kommission hierfür einen Vorschlag gemacht. Im Vergleich mit dem Initiativbericht des Parlaments klaffen in diesem jedoch noch gravierende Regelungslücken:

  • Die Liste der erfassten Risikowaren schließt wichtige Produkte wie Kautschuk und Mais nicht ein.
  • Bei den erfassten Unternehmen fehlen kleine und mittelständische Unternehmen und der komplette Finanzsektor, der jedoch eine erhebliche Hebelwirkung hätte.
  • Hinsichtlich der geschützten Ökosysteme beschränkt sich der Vorschlag auf Wälder und trägt damit nicht zum Schutz wichtiger Ökosysteme wie der brasilianischen Cerrado-Savanne bei.
  • Außerdem werden Menschenrechte nicht von dem Vorschlag umfasst.

Der offensichtliche Zusammenhang zwischen dem Schutz der Rechte von Indigenen Völkern und ihren Lebensräumen wird dabei ignoriert. Menschenrechtsschutz ist Waldschutz und umgekehrt.

Die Konsument*innen: Waldschutz muss Handlungsmaxime werden

So sieht es auch Umweltwissenschaftlerin Evelyn Schönheit, die sich seit langem im Forum Ökologie & Papier für einen ressourcenschonenden Umgang mit dem Produkt Papier zum Schutz der Wälder, der Arten, des Klimas und für bessere Lebensbedingungen vieler Menschen vor allem im Globalen Süden engagiert. Sie und das Forum wollen Verbraucher*innen, Politik und Wirtschaft durch gezielte Informationsarbeit über die Folgen des Papierverbrauchs aufklären. Wichtig hierbei ist es, diese Informationen in Handeln zu übersetzen. Mit anderen Worten: „Es gibt nichts Gutes, außer man tut es“, so Evelyn Schönheit.

Die Papierindustrie könnte durch mehr Recycling ihren Frischfaserbedarf und dessen negative Folgen deutlich reduzieren. Strengere Regeln, wie sie nun von EU vorbereitet werden, sind hierfür ein wichtiger Schritt.

Mehr als zwanzigmal kann eine Papierfaser recycled werden, wenn die Frischfaser ihren Lebenszyklus nicht schon bei der ersten Nutzung als Hygienepapier beendet.

An die Verbraucher*innen appelliert Evelyn Schönheit, Papier zu sparen, wo immer es geht. Helfen würde auch schon mehr Akzeptanz von weniger weißen Papieren, die aus recycelten Verpackungsmaterialien gewonnen werden. Das gilt insbesondere für Hygienepapiere wie Toilettenpapiere und Taschentücher, denn diese werden dem Papierkreislauf nach der Verwendung nicht wieder zum Recycling zur Verfügung stehen.

Obwohl es zahlreiche recycelte Alternativen gibt, ist die Nachfrage nach Frischfasern beim (Hygiene-) Papier weiterhin groß. Rund 40 Prozent der industrielen Holzernte gehen aktuell in die Papierproduktion. Deutschland liegt beim Papierverbrauch auf den vorderen Plätzen – in absoluten Zahlen sowie pro Kopf – und trägt damit erheblich zu sozialen und ökologischen Problemen wie Endwaldung und Landnutzungsänderungen bei. Beim nachhaltigen Konsum steht neben der Sparsamkeit deshalb auch die Frage nach sozial und ökologisch verantwortungsvoll produzierten Alternativen im Mittelpunkt.

„Deutschland liegt beim Papierverbrauch auf den vorderen Plätzen.“ Evelyn Schönheit vom Forum Ökologie und Papier

Die Wirtschaft: Unternehmen wandeln sich

Die Bambuspapiere von Smoothpanda sind Holzfrei und neben Recyclingpapier eine weitere Alternative zur Frischfaser. (Bild: Smooth Panda.)

Die Improving Earth GmbH aus Reinfeld in Schleswig-Holstein macht Verbraucher*innen, die auf Frischfaser im Hygienebereich absolut nicht verzichten wollen, mit Smooth Panda ein solches Angebot. Karsten Lutz ist Gründer und Geschäftsführer des Start-ups, das Toiletten- und andere Hygienepapiere aus Bambusfasern herstellt. Sein Ziel heißt: „Feeling without Wood“. Mit einem Geschäftsmodell, das soziale und ökologische Verantwortung an den Anfang stellt, will sein Start-up mit gutem Beispiel vorangehen und auch „die Großen“ in der Branche herausfordern.

Ein wichtiger Hebel hierbei ist das sorgfältige Sourcing (Beschaffung) von Rohstoffen. Hierfür die richtigen und vertrauenswürdige Partner*innen zu finden, war und bleibt eine Herausforderung. Auf eilige Zusagen von Sozial- und Umweltstandards seiner chinesischen Zulieferer*innen allein will Karsten Lutz sich dabei nicht verlassen. Improving Earth investiert Mühe, um seine Lieferketten zu durchleuchten. Wichtig ist hierbei auch eine offene Kultur im Unternehmen, die es zulässt Probleme und Bedenken auszusprechen. Gerne würde Karsten Lutz die Rohstoffproduktion näher an den Firmensitz in Reinfeld verlegen, um noch mehr Kontrolle über die Produktionsbedingungen zu haben. Die Vision eines ökologischen, möglicherweise auch europäischen Bambusanbaus ist momentan jedoch noch Zukunftsmusik. Vorerst geben auch Zertifikate und Audits dem Unternehmer und seinen Kund*innen Vertrauen in die Rohstoffproduktion.

Auch Karsten Lutz setzt Hoffnung in neue verbindliche Regeln für Lieferketten. Bereits mit dem jüngst beschlossenen deutschen Lieferkettengesetz besteht für Improving Earth die Chance, zusätzliche Kontrolle über die Einhaltung von Menschenrechten zu gewinnen. Sollte eine staatliche Aufsicht über die großen Konzerne und Abnehmer*innen wirklich gelingen, würde das die Wettbewerbsgleichheit auch für kleine Unternehmen und Vorreiter*innen wie Improving Earth verbessern. Alle müssten sich dann an Regeln ethischen Handelns halten.

Der Text basiert auf der Veranstaltung „Lieferketten auf dem Holzweg?! Helfen Sorgfaltspflichten gegen die globale Entwaldung?“ die am 1. Dezember 2021 gemeinsam vom Projekt Wirtschaft und Menschenrechte in Schleswig-Holstein und der Fairtrade Stadt Lübeck ausgerichtet wurde.

Quelle: https://zukunft.global/inhalt/runter-vom-holzweg.html

Menschenrechte und Umweltstandards: Ausstellung im Haerder-Center Lübeck

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Bis zum 12. Juni 2021 kann im Untergeschoss des Lübecker Haerder-Centers die Ausstellung „Schafft Recht und Gerechtigkeit“ kostenlos besucht werden. Auf sechs Roll-Ups gibt die Ausstellung Einblicke in Menschenrechtsverstöße und Umweltschäden in den Lieferketten unserer Alltagsprodukte, zeigt Veränderungsmöglichkeiten durch ein Lieferkettengesetz auf und weist auf die bundesweite Initiative Lieferkettengesetz hin.

Der Lübecker Initiative Lieferkettengesetz (LILi) in Zusammenarbeit mit der Steuerungsgruppe Fairtrade Stadt Lübeck ist es kurzfristig gelungen, diese Ausstellung nach Lübeck zu holen und das Haerder-Center als Kooperationspartner zu gewinnen.

Erstellt wurden die sechs Roll-Ups von SÜDWIND, Brot für die Welt und MISEREOR– in Zusammenarbeit mit Einrichtungen aus Diözesen und Landeskirchen in NRW, gefördert durch die Stiftung Umwelt und Entwicklung NRW.

Insbesondere für Schulklassen und Jugendgruppen kann ein Quiz zur Ausstellung unter https://suedwind-institut.de/recht-und-gerechtigkeit/ausstellung-schafft-recht-und-gerechtigkeit-f%C3%BCr-gemeindeh%C3%A4user.html heruntergeladen werden.

Auf Bundesebene wird seit einiger Zeit ein Lieferkettengesetz verhandelt und soll noch in dieser Legislaturperiode, voraussichtlich im Juni, verabschiedet werden. Zahlreiche Organisationen, Initiativen und Politiker*innen fordern Nachbesserungen, darunter auch Fairtrade Stadt Lübeck und die Lübecker Initiative Lieferkettengesetz.

Weitere Informationen und Aktionen: www.lieferkettengesetz.de

Black Friday: Die Schicksale hinter dem Sale

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Die Black Week ist beendet – eine Rabattschlacht, die im Black Friday gipfelt. Doch hinter dem Black-Friday-Sale stecken oft menschliche Schicksale entlang der Lieferketten. Sie zeigen: Wir brauchen endlich ein wirksames Lieferkettengesetz!

Auch in Lübeck beteiligte sich die Initiative Lieferkettengesetz (LILi) an der bundesweiten Aktion, um auf die menschlichen Schicksale aufmerksam zu machen, die hinter den „Schnäppchen“  stecken, die in der Black Friday Woche besonders viele Kund*innen locken.

„Wir wollen darauf aufmerksam machen, dass niedrige Preise und dazu noch hohe Rabatte in der Regel nur deshalb möglich sind, weil diejenigen, die diese Waren herstellen, zu Dumping Löhnen unter miesen Bedingungen arbeiten müssen“, stellt Horst Hesse von der Lübecker Initiative klar. „Dabei gibt es Alternativen und Hersteller von Kleidung und anderen Produkten, die bewusst darauf achten, dass Menschenrechte und Umweltstandards eingehalten werden. In unserem besonderen Stadtplan listen wir Lübecker Geschäfte auf, die fair und biologisch hergestellte Produkte führen.

„Shoppen ist für viele zur Freizeitbeschäftigung geworden“, meint Katja Mentz von der Fairtrade Stadt Gruppe. „Insbesondere die sogenannte Fast Fashion ist häufig so günstig, dass etliche Kleidungsstücke nur wenige Male getragen und dann entsorgt werden. Leider denken viele nicht darüber nach, welch traurige Schicksale zum Teil an ihrem Schnäppchen haften. Allerdings ist der Preis nicht immer entscheidend. Denn auch hochpreisige Designer Artikel garantieren nicht automatisch für faire nachhaltige Produktionsbedingungen.“

„Damit nicht allein die Konsument*innen als letztes Glied der Kette die Verantwortung tragen, braucht es auf Bundesebene endlich ein wirksames Lieferkettengesetz“, fordert  Manfred Hellberg, ebenfalls Aktivist für Fairen Handel. „Bundesminister Altmaier verhindert weiterhin, dass ein Gesetzentwurf im Bundestag verhandelt und beschlossen wird. Deshalb haben wir neben Informationen zum Lieferkettengesetz auch Postkarten verteilt, mit denen Minister Altmaier dazu aufgefordert werden kann, endlich die Unternehmen in Verantwortung zu bringen, die bisher profitieren.“

Diese Protestpostkarten können Sie im Weltladen in der Hüxstraße 82 oder bei ONE Fairtrade in der Königstraße 106 erhalten. Auch online kann die Petition mitgezeichnet werden: https://lieferkettengesetz.de/

Die Bundesinitiative Lieferkettengesetz schreibt dazu:

„Zum Beginn des Weihnachtsgeschäfts versuchen viele Unternehmen noch einmal alles, um unsere Konsumlust anzukurbeln. Mega-Rabatte, Sensations-Angebote, Super-Sales… Wie können sich Unternehmen so niedrige Verkaufspreise leisten? Einige von ihnen sparen selber – und zwar an Umweltschutz und Arbeitsstandards in ihren Lieferketten.

Für Konsument*innen ist es am Black Friday, aber auch im ganzen restlichen Jahr praktisch unmöglich, beim Einkaufen zu beurteilen: Steckt in dieser Schokoladentafel Kinderarbeit? Haben die Näher*innen jenes T-Shirts einen fairen Lohn erhalten? Und unter welchen Bedingungen wurden eigentlich die Rohstoffe abgebaut, die in diesem Smartphone verarbeitet sind? Fest steht: Immer wieder nehmen deutsche Unternehmen in ihren Lieferketten Umweltzerstörung und Menschenrechtsverletzungen in Kauf. Die Liste mit Beispielen ist viel zu lang.

Ein starkes Lieferkettengesetz könnte das ändern: Egal ob jemand zur Schokolade, zum T-Shirt oder zum Smartphone greift – er oder sie wüsste dann: Das jeweilige Unternehmen hat auf Menschenrechte und Umweltschutz geachtet. Denn ein Lieferkettengesetz würde Unternehmen dazu verpflichten, Risiken ihrer globalen Geschäfte auf Menschenrechte und Umwelt zu ermitteln, wirksame Gegenmaßnahmen zu ergreifen und darüber transparent zu berichten. Käme es dennoch zu einem Schadensfall – die Betroffenen hätten einen besseren Zugang zu deutschen Gerichten, um Schadensersatz einzufordern.

Doch so weit sind wir noch nicht. Während in Guatemala Unternehmen für den Anbau von Palmöl Regenwald roden und während in Westafrika Kinder auf Kakaoplantagen schuften, versuchen hierzulande die Wirtschaftsverbände alles zu tun, um ein Lieferkettengesetz zu verhindern. Und ihr Druck auf den Bundeswirtschaftsminister zeigt durchaus Wirkung: Bislang blockiert Peter Altmaier genau die Punkte, die ein Lieferkettengesetz wirksam machen würden.

Wir fordern von Minister Altmaier: Schluss mit dieser Blockadehaltung! Menschenrechte und Umweltschutz dulden keinen Aufschub mehr! Auch du kannst dich an den Minister wenden und jetzt eine Protestmail schicken. Denn ohne ein Lieferkettengesetz ist der Black Friday kein Grund zum Feiern – Rabatte auf Kosten von Mensch und Umwelt können wir uns sparen!“

Manfred Hellberg und Horst Hesse von der Lübecker Initiative Lieferkettengesetz

In der Breiten Straße lockten Geschäfte mit Sonderrabatten von 30%